organisation

Aus dem Nichts heraus einen lebendigen Kulturbetrieb schaffen, nebenbei noch ein komplettes Viertel sanieren, mit der Stadt verhandeln, sich stadtpolitisch einmischen und das Ganze basisdemokratisch und hierarchiefrei – aber wie eigentlich? Über die Jahre haben wir im Gängeviertel eine Vielzahl von Strukturen ausprobiert, einige gibt es bis heute, andere haben wir schnell wieder verworfen.
Zentraler Ort aller Entscheidungen im Viertel ist die zweiwöchentliche Vollversammlung, zu der alle auf dem Platz aktiven Menschen – und solche die es werden wollen – eingeladen sind, um sich in offener Runde über aktuell anliegende Themen auszutauschen. Um spezielle und langfristige Aufgaben, wie Verhandlungen oder Pressearbeit, kümmern sich eigene AGs. Die Kommunikation mit Stadt, Behörden und Öffentlichkeit übernimmt der gemeinnützige Verein Gängeviertel e.V., die Betreuung von Bewohner*innen und die Aufgaben der Sanierung die Genossenschaft. Alles weitere wird informell an der Theke oder bei der Raucherpause geklärt. Klingt kompliziert? Aber ja doch!

Verein

Am 26. Oktober 2009 gegründet, hat sich der gemeinnützige Verein Gängeviertel e.V. die Förderung von Kunst und Kultur, den Denkmalschutz und die Erwachsenenbildung zum Ziel gesetzt. Seine Hauptaufgabe war und ist aber die Weiterentwicklung und langfristige Sicherung des Quartiers.
Heute betreibt der Verein mehrere Veranstaltungsflächen im Viertel wie die Fabrique, die Druckerei und die Jupi-Bar, die vierteleigenen Galerien und mehrere kollektiv genutzte Flächen auf dem Platz. Das wöchentliche offene Vorstandstreffen ist eine zentrale Schaltstelle des Viertels und Anlaufpunkt für alle Arten von sozialen, finanziellen, betrieblichen und öffentlichen Themen. Der Verein ist in seinen Entscheidungen an die Beschlüsse der Vollversammlung gebunden.

Genossenschaft

Die Gängeviertel Genossenschaft 2010 eG wurde gegründet, um das Gängeviertel als selbstverwalteten Ort langfristig zu sichern. Hervorgegangen ist die Genossenschaft aus der Initiative »Komm in die Gänge«. Ihre demokratische Struktur ermöglicht es Menschen, in unterschiedlichen Lebenslagen gemeinschaftlich in sozialer Verantwortung zu leben und ihren Alltag zu gestalten.
In den nächsten Jahren sollen alle Gebäude des Gängeviertels in Zusammenarbeit mit der Stadt Hamburg saniert werden. Dabei soll mit den Gebäuden behutsam und denkmalgerecht umgegangen werden. Die Genossenschaft setzt auf die Unterstützung vieler Bürger*innen, die in Form von Anteilszeichnungen zur Entwicklung des Gängeviertels beitragen.
Dieses Erfolgsmodell wird mittlerweile international beachtet und findet Einzug in die Debatten um eine zukunftsfähige Stadtentwicklung.
Werde auch du Kulturgenoss*in und zeichne Anteile!

Vollversammlung

Basisdemokratie ist ein großartiges Ideal, aber leider sehr viel Arbeit. Wie viel Arbeit, das hat das Gängeviertel-Kollektiv in den letzten Jahren immer wieder erfahren müssen. Der Versuch, allen eine Stimme zu geben und auch jede Stimme zu hören, läuft bei so vielen Beteiligten mit so heterogenen Ansichten selten reibungslos ab. Dementsprechend wird auf der Mittwochs-VV gestritten, debattiert und verhandelt, bis entweder ein Konsens hergestellt ist oder abgestimmt werden kann.
Die Vollversammlung ist das Herzstück des Projekts Gängeviertel – keine bedeutende Entscheidung kann ohne sie getroffen werden, kein Projekt und keine Fläche im Viertel würde ohne sie existieren. Deswegen finden sich trotz gelegentlicher Schwächephasen nach wie vor zahlreiche Viertler*innen und Externe alle zwei Wochen in einem Stuhlkreis wieder, um über das Programm, Soziales, Politik, Verhandlungen und die Zukunft zu diskutieren. Eine Utopie baut sich halt nicht von selbst.

Buschfunk

Gossip im Gängeviertel? Doch nicht bei uns. Nur weil wir alles voneinander sehen und durch die unsanierten Wände hören, jedes Husten, jedes Kind, jedes Stöhnen, nur weil wir uns alle kennen und auch miteinander feiern, nur weil wir befreundet oder auch mal verkracht sind, uns lieben, uns auf die Nerven gehen und unser komplettes Leben für eine Utopie geben, gemeinsam kämpfen, uns aufeinander verlassen müssen und sich Abstimmungen durch vorhergehende Gespräche eventuell beeinflussen lassen, nur weil wir berauscht die Nächte durchmachen, auch mal gemeinsam abstürzen, uns ganz intensiv kennenlernen, Freundschaften eingehen, Beziehungen starten und auch wieder beenden, nur weil wir unser eigenes Big Brother sind? Das würde ich  nicht gleich Gossip nennen. Aber eine gewisse, sagen wir mal Transparenz ist durchaus vorhanden. Protokolle sind gut, aber was zwischen den Zeilen steht, ist oft viel interessanter. Habt ihr eigentlich schon gehört, dass …

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