kulturelles programm

Konzerte, Partys, Ausstellungen, Lesungen, Workshops, Film-Screenings und Festivals – heute findet im Viertel fast alles seinen Platz, was diesen Ort zu einem in Hamburg einzigartigen Zentrum für Kultur macht. Aus den ehemals improvisierten Veranstaltungsorten, ausgestattet mit Second-Hand-Technik und bestenfalls lauwarmem Bier, sind mehr oder weniger professionelle Bars und Clubs gewachsen.
Wochenende für Wochenende betreuen zahllose ehrenamtliche Gängeviertler*innen ein Kulturprogramm mit mehreren Zehntausend Gästen pro Jahr. Fabrique, Druckerei und Jupi Bar sind längst feste Größen des Hamburger Nachtlebens und seiner Subkultur. Der Ruf als Künstler*innenviertel kommt dabei nicht von ungefähr: In den zahlreichen Ateliers und den drei Galerien des Quartiers lebt und produziert die freie Kunst-Szene. Die Kombination aus Nachtleben und Kunstbetrieb prägt das Gängeviertel wie wohl keinen anderen Stadtteil in Hamburg.

Kunst im Viertel

Kunst ist von Anfang an der Schlüssel zum Viertel. Aus der Anfangszeit geblieben sind die Galerie Speckstraße, der Raum linksrechts und der mom art space. Während Letzterer fast professionelle Ausstellungsmöglichkeiten in der sanierten Fabrique bietet, laden die zwei unsanierten Wohnungen in der Speckstraße insbesondere Gruppen dazu ein, unübliche Kunstprojekte auszustellen. Der Raum linksrechts bietet jungen Hamburger Künstler*innen die Chance, Experimente zu wagen.
Das Jahresprogramm wird durch Kuratoren-Kollektive betreut und von der Kulturbehörde gefördert. Zusätzlich dienen die Höfe schon seit Jahren als Freiluftgalerie. Die Fassaden und Hauswände des Viertels werden ständig neu gestaltet, ob wild betaggt oder abgestimmt mit Murals und Graffitis von Gästen aus allen Windrichtungen – so wandelt sich das Erscheinungsbild von Jahr zu Jahr aufs Neue.

Ateliers, Werkstätten und Kleingewerbe

Das Gängeviertel lebt ein Gegenmodell zur segregierten Stadt: Es ist eine lokale Gemeinschaft, die Kunst und Politik sowie Wohnen und Arbeiten wieder an einem Ort zusammenführt.
Daher gibt es hier zahlreiche offene Werkstätten, zum Beispiel für Siebdruck, Fotografie, Holzbearbeitung oder Fahrrad-Selbsthilfe, und kleinere Gewerbeprojekte wie den queer-feministischen Sexshop »Fuck Yeah«, die Entwurfswerkstatt für konkrete Utopien und das Café Nasch. In zahlreichen Ateliers arbeiten junge Künstler*innen in unterschiedlichsten Genres und mit verschiedensten Medien. Sie malen, zeichnen, machen Musik oder Siebdruck. Sie nutzen Holz, Keramik, Licht oder Stahl. Bezahlbare Ateliers und Werkstätten ermöglichen freies Arbeiten, Mitmachen und Weiterdenken – für eine neue Kunst und offene Bildungsangebote.

Musik und Festivals

Wenn die umliegenden Büros Feierabend machen und die Straßen der nördlichen Neustadt leergefegt sind, erwacht das Gängeviertel eigentlich erst zum Leben. In großen und kleinen Clubs, Bars und Konzertflächen liefern DJs, Bands, Singer-Songwriter und sogar Chöre den Soundtrack zum Viertel. Mal wummernd, mal punkig, mal leise und melancholisch. Wir versuchen dabei Acts zu fördern, die in kommerziellen Clubs kaum eine Chance hätten, und promoten Bands und Musik, die vielleicht erst in ein paar Jahren groß herauskommen werden oder auch nie.
Unserem Publikum und uns gefällt’s und wir haben schon den ein oder anderen Preis für den besten Club, das beste Festival oder die Ü-60-Party »Faltenrock« abgeräumt. Seinen Höhepunkt findet die Mischung aus alternativem Booking, selbstgebastelter Deko und unzähligen Stunden freiwilligen Engagements jedes Jahr Ende August beim Gängeviertel-Geburtstag, der Tausende Besucher über mehrere Tage ins Viertel zieht. Save the date!

Lesungen und Vorträge

Techno und Punk – das läuft im Viertel. Da ist es krachend voll, da sind die Menschen krachend voll, eine Erfolgsgeschichte. Anders ist das bei Lesungen, Buchpremieren und Vorträgen. Da weiß man nie, was passiert. Manchmal machst du Werbung wie blöd, voll das tolle Buch und dann regnet es oder die Sonne scheint und es kommt einfach niemand. Keine Sau.
Nichtsdestotrotz finden hier zauberhafte Literaturveranstaltungen und pointierte Beiträge zur politischen Debatte ihren Raum. Als beispielsweise die Bücherhallen 2010 von finanziellen Kürzungen bedroht waren, haben wir aus Protest den ersten Lesemarathon auf die Beine gestellt: eine 48-Stunden-Lesung aus halbstündigen Slots, teilweise hoch performativ und schreiend komisch. Ein Zeichen für die Lust am Lesen, deren heimlicher Höhepunkt ausgewählte Zitate aus dem Internen Verteiler des Gängeviertels mitten in der Nacht sind. Das ist zwar keine Poesie, aber wortgewaltig.

Bars und Cafés

Schon in den historischen Gängevierteln war die Eckkneipe das Zentrum des sozialen Lebens – in den kleinen und engen Wohnungen war schlicht nicht genug Platz für Gäste oder Versammlungen. Heute ist das nicht viel anders und die Jupi-Bar wird nicht umsonst das Wohnzimmer des Viertels genannt. Ein so großes Kollektiv wie das unsere braucht Räume zum Austauschen, Entspannen und einfach mal Quatschen. Tagsüber beim Kaffee im Grünen Leuchten oder im Café Nasch oder halt abends an der Theke.
So mancher Streit wurde hier geschlichtet und so mancher Plan geschmiedet. Die Schmierkraft von Koffein und Alkohol ist dabei kaum zu überschätzen oder wie heißt es noch gleich in der Jupi? »Jede_r muss an etwas glauben. Ich glaub, ich trink noch einen.«

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