aus—gänge

Noch vor einem Jahrhundert erstreckten sich die Gängeviertel über einen großen Teil der Hamburger Alt- und Neustadt. Heute sind die untergegangenen Quartiere fast vergessen und aus der Stadtgeschichte getilgt.

Entstanden sind diese durch massive Bevölkerungszuströme im 16. und 17. Jahrhundert, durch die schnell viel Wohnraum benötigt wurde. Durch die zunehmende Aufstockung der Fachwerkhäuser entwickelte sich nach und nach so die typische Bauweise, die auch verantwortlich für den Namen der Viertel ist. 
Die Lebensbedingungen innerhalb der Viertel waren miserabel: Auf engstem Raum lebten viele Menschen zusammen, die Wasserversorgung und -entsorgung war die Ursache vieler Krankheiten und auch Prostitution und Kriminalität war ein allgegenwärtiges Thema. Soziale Orte zum Zusammenkommen nach Feierabend bildeten vor allem die Kneipen – so war das Nachtleben in den Gängevierteln sehr ausgeprägt. Vor allem für die Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts waren die Kneipen auch die bevorzugten Treffpunkte. Ebenfalls gab es zu der Zeit eine lebendige jüdische Gemeinde, die sich um die sogenannte Judenbörse angesiedelt hatte.
Nach und nach kam es aber zum Untergang der Gängeviertel. Durch den systematischen Abriss wurden fast alle Teile der Viertel von der Hamburger Stadtkarte gestrichen. Heute findet sich die letzte Erinnerung an die Gängeviertel am Valentinskamp in der Neustadt-Nord — gerettet durch die künstlerische Besetzung der Initiative »Komm in die Gänge« im Jahr 2009, die sich auch dieser Seite Hamburgs Geschichte annimmt. Heute geht es den Aktiven des Gängeviertels vor allem darum, Freiräume für Kunst und Kultur zu schaffen. Eine Stadt für alle, die von ihren Bewohner*innen selbst gestaltet wird.
So sind die Gänge heute an einem ehemaligen Ort des Abrisses ein Symbol für historischen Neuaufbau, kollektiv gelebte Utopien und kreative Andersartigkeit.

 

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